Digitale Assistenten
Schaber, Felix,; Krieger-Lamina, Jaro; Peissl, Walter (2019) Digitale Assistenten – Endbericht. Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA): Wien; im Auftrag von: Österreichische Bundesarbeitskammer.
In den letzten Jahren ist ein Boom in der Verbreitung von Sprachassistenten zu bemerken. Sie sollen ein breites Anwendungsspektrum, vom MusikAbspielen bis zum persönlichen Assistenten, der Termine verwaltet unddaran erinnert, abdecken. Die derzeitige Generation ist jedoch noch nichtso weit entwickelt, dass komplexe Interaktionen möglich sind, weshalb dieGeräte derzeit vor allem für einfache Aufgaben eingesetzt werden. Die bevorzugten Anwendungen sind derzeit das Streamen von Musik, die Fragenach dem aktuellen Wetter und der Einsatz in Teilbereichen der Heimautomation, in so genannten Smart Home Anwendungen. Dennoch ist abzusehen, dass die digitalen Sprachassistenten nur ein erster Schritt zu Realisierung einer Vision umfassender, ubiquitärer digitaler Assistenten sind, auf die man von möglichst überall über die verschiedensten Medien und Kanäle zugreifen können soll. Die Spracheingabe wird damit als neueSchnittstelle zur Interaktion mit digitalen Systemen einem breiten Publikum nahegebracht und dürfte in vielen Bereichen die Eingabe über berührungssensitive Bildschirme oder die Tastatur ablösen. Dies wird als Vereinfachung der Interaktion und Steigerung der Bequemlichkeit angesehen.Weiters wird dadurch für bestimmte Personengruppen, wie Blinde oderPersonen mit eingeschränkter Feinmotorik, ein barrierefreier Zugang zurdigitalen Welt, und so eine bessere Teilhabe an einer zunehmend digitalenGesellschaft ermöglicht.Die Assistenten tragen derzeit Namen wie Alexa, Cortana oder Siri, diezur persönlichen Identifikation mit den Systemen einladen. Nur Googletanzt mit der schlichten Bezeichnung Google Assistant etwas aus der Reihe. Viele dieser digitalen Sprachassistenten sind für bestimmte Endgerätezugeschnitten und darauf optimiert. Wesentlich für die Nützlichkeit sindinsbesondere die hinter den verschiedenen digitalen Assistenten stehenden Plattformen und deren Schwerpunkte. Aus der Perspektive von KonsumentInnen stellt sich neben der konkreten Nützlichkeit vor allem die Frage nach der Datensicherheit und dem Datenschutz. Da für die Beurteilung des Inhalts der Spracheingaben die digitalisierte Sprache alleine oft nicht ausreicht, werden neben der aktuellen Spracheingabe eine Vielzahl weiterer Informationen wie z. B. frühere Anfragen, Käufe, Zeitpunkt oder Standorte für das Sprachverständnis verwendet. Damit entstehen umfassendePersönlichkeitsprofile, die sehr eng mit dem konkreten Verhalten von KonsumentInnen verbunden sind.Heute führen die Sprachassistenten die Spracherkennung grundsätzlichauf den Servern der Anbieter durch. Dazu werden Sprachaufnahmen andie Server geschickt und meist auch dort gespeichert. Diese Spracherkennung in der Cloud verschafft den Anbietern sehr umfassend Daten. Einedatenschutzfreundlichere Spracherkennung direkt auf dem Gerät wird aktuell bei keinem Anbieter unterstützt. Sprachassistenten in smarten Lautsprechern können mittlerweile nicht nur die menschliche Stimme, sondern auch Geräusche erkennen. Ihre latente Aufnahmebereitschaft macht sie deshalb auch attraktiv für Anwendungen wie Alarmanlagen, die eine permanente Überwachung ihrer Umgebung durchführen.Durch die Plattform-Ökonomie könnte es zu Datenmonopolen und neuenGatekeepern zwischen Verkäufern und KonsumentInnen kommen. Die Attraktivität von Plattformen steigt meist mit ihrer Verbreitung. Größere Plattformen sind wirtschaftlich attraktiver, wodurch sich die Marktkonzentrationauf wenige Anbieter mit Quasi-Monopolen beschränken könnte. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit für Missbrauch der mächtigen Position alsGatekeeper zur Online-Welt. Welche Waren werden angeboten? WelcheInformationsdienste bevorzugt? Wer entscheidet, welches Bild der Weltvermittelt wird? Diese Fragen sind sowohl individuell konsumentenpolitischals auch für die Gesellschaft, die Demokratie von großer Bedeutung.Weitgehend unklar sind derzeit noch die langfristigen kulturellen und sozialen Auswirkungen der zunehmenden direkten Kommunikation mit Systemen, den immer verfügbaren Assistenten. Die digitalen Sprachassistenten sind ein sichtbarer Ausdruck des fortschreitenden Einsatzes Künstlicher Intelligenz. In diesem Zusammenhang wird verstärkt zu diskutierensein, welche Grenzen wir fortgeschrittener KI setzen wollen. Was wollen wir an Maschinen delegieren, und was wollen wir nie von Maschinen entschieden haben? Grundlegende Aspekte einer Ethik für KI betonen vor allem die Würde des Menschen als zentralen Wert und daraus abgeleitet Anforderungen wie menschliche Entscheidungshoheit, Transparenz, technische Robustheit/Sicherheit, Datenschutz, Vielfalt und verantwortungsvolle Systemgestaltung.
Publication type:
project report
Publication language:
German
Publication date:
2019-06
Publication URL:
https://epub.oeaw.ac.at/ita/ita-projektberichte/2019-01.pdf
Institute:
Institute of Technology Assessment (ITA)
Country:
Austria

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